{"id":108008,"date":"2018-03-26T12:00:00","date_gmt":"2018-03-26T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/?p=108008"},"modified":"2018-03-22T11:33:01","modified_gmt":"2018-03-22T11:33:01","slug":"deutsch-den-kaukasus-wach-kussen-friedensbildung-in-einer-eingefrorenen-region","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/2018\/03\/deutsch-den-kaukasus-wach-kussen-friedensbildung-in-einer-eingefrorenen-region\/","title":{"rendered":"(Deutsch) Den Kaukasus wach k\u00fcssen &#8211; Friedensbildung in einer eingefrorenen Region"},"content":{"rendered":"<p>Wilde Landschaften, rei\u00dfende Gebirgsfl\u00fcsse, schwindelerregende Schluchten, verschneite P\u00e4sse, unpassierbar, machen die Reise durch den Kaukasus zu einem abenteuerlichen Erlebnis, wor\u00fcber uns Alexander Dumas, der 1858 dort unterwegs war, in dem heute noch immer so lesbaren Reisebericht \u201eGef\u00e4hrliche Reise durch den wilden Kaukasus\u201c erz\u00e4hlt.<\/p>\n<div id=\"attachment_108009\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/caucasus.jpg\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-108009\" class=\"wp-image-108009\" src=\"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/caucasus.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"317\" srcset=\"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/caucasus.jpg 805w, https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/caucasus-300x190.jpg 300w, https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/caucasus-768x487.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-108009\" class=\"wp-caption-text\">Pre-1917 russische Postkarte der Qasara-Schlucht, Kaukasus Bild von paukrus \/ flickr.<\/p><\/div>\n<p>Im Jahre 2000 reist Fritz Pleitgen mit einem WDR Fernsehteam auf den Spuren Alexander Dumas durch den Kaukasus und wei\u00df in seinem ebenso lesbaren Reisebericht darzulegen, welch vielf\u00e4ltige, verschachtelte Region der Kaukasus ist, wie kaum eine andere auf der Erde, er\u00a0 zitiert den russischen Dichter Andrej Belyj:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eKaukasus und Transkaukasus sind ur\u00e4lteste Orte der Menschheit. Mir ist klar, warum die Arche Noah hier strandete, warum die Argonauten hier hinreisten , warum Prometheus das himmlische Feuer des Wissens hierhin brachte.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Der S\u00fcdkaukasus umfasst die L\u00e4nder Armenien, Georgien, Aserbeidschan, der Nordkaukasus etwa Dagestan, Tschetschenien, auch der Iran und die T\u00fcrkei geh\u00f6ren in diese so bunte Region. Auch Abchasien, die abtr\u00fcnnige, einst sch\u00f6nste Region am Schwarzen Meer muss dazu gez\u00e4hlt werden, genauso wie Ossetien, jene georgische Region, die nach dem Krieg 2008 von Russland okkupiert wurde.\u00a0 Fast t\u00e4glich finden deswegen kleine Grenzscharm\u00fctzel statt \u2013 was symptomatisch f\u00fcr den gesamten Kaukasus als \u201egefrorene\u201c Region gesehen werden kann.<\/p>\n<p>Der Kaukasus gilt in der medienvermittelten Perzeption in Europa, wohl auch in den USA wie in Russland, als \u201est\u00e4ndige Krisenregion\u201c, als ein \u201eKonflikte produzierendes V\u00f6lkergemisch\u201c was den Blick auf die Wirklichkeit verstellt. Berichte von Blutrache, grausamen Sippenfehden, und einer viele Wirtschaftsbereiche dominierenden \u201ekaukasischen Mafia\u201c runden in manchen Darstellungen ein Bild ab, das die reiche Wirklichkeit dieser Region hinter solchen Stereotypen verschwinden l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Dem Wechsel der M\u00e4chte in dieser Region steht eine relativ ungebrochene innere Entwicklung gegen\u00fcber. Die Kontinuit\u00e4t der kaukasischen Sprachen, der vielen V\u00f6lker und St\u00e4mme, auch die zumeist friedliche Tradition des Zusammenlebens des\u00a0 Vielv\u00f6lkergemisches sind daf\u00fcr Beispiele. Dass seit 1500 Jahren praktizierte und gelebte Christentum ist auch ein Beleg daf\u00fcr, wenn man von Aserbeidschan und der im Nordkaukasus gelebten reichen islamischen Tradition absieht.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Spieler in der Region sind ohne Zweifel die beiden Gro\u00dfm\u00e4chte, USA und Russland; sicherheitspolitisch bem\u00fcht sich die EU um einen Schulterschluss mit den USA, die als Schutzmacht Georgiens im Lande pr\u00e4sent zu erkennen ist.<\/p>\n<p>Die EU ist strategisch an einer <em>Stabilit\u00e4t durch Partnerschaft<\/em> interessiert, Europas Abh\u00e4ngigkeit von russischem Erdgas hat die Notwendigkeit weiterer politischer Initiativen in der Region vor Augen gef\u00fchrt. So hat der Georgienkrieg 2008 das Programm <em>\u00d6stliche Partnerschaft<\/em> gef\u00f6rdert, dass 2009 in Kraft trat, und Freihandel und Reiseerleichterungen zwischen der EU und Georgien geschaffen hat, aber letztlich organisatorisch und finanziell wenig Profil zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die in der Kaukasusregion herrschende Mentalit\u00e4t der Konfrontation &#8211; wie Irakli Kakabadze, ein georgischer Dichter und in den USA promovierter Friedensp\u00e4dagoge beklagt &#8211; wird leider wenig durch europ\u00e4ische Konventionen noch durch Propagierung von Menschenrechten aufgebrochen, da die Konfliktparteien von sich aus nicht in der Lage sind sich selbst und ihre mittlerweile historisch gewachsenen Vorstellungen kritisch zu hinterfragen.<\/p>\n<p>Neue Ans\u00e4tze sind gefragt, die eingefrorene Region zum Frieden zu erwecken, wach zu k\u00fcssen. Auff\u00e4llig ist, worauf Kakabadze in seiner Friedensstudie zum Aufbau von Friedenszonen in der Region verweist: Konventionelle Ans\u00e4tze der Friedensbildung \u2013 Regierungen versuchen untereinander zu friedenstauglichen Kompromissen zu kommen \u2013 reichen in einer so vielschichtig verkrampften Region wie dem Kaukasus nicht aus, um die unterschiedlichen Interessen in eine friedensf\u00f6rdernde, gemeinsame Interessenlage zu bekommen. So sollten wohl auch die Separatisten, die Waffen- und Menschenh\u00e4ndler mit beachtet werden. Ein mehrdimensional ausgelegter diplomatischer Friedensprozess sollte gestartet werden (Multi Task Diplomacy).<\/p>\n<p>Inspiriert durch den gewaltfreien Ansatz des norwegischen Friedensforschers und Tr\u00e4ger des Alternativen Nobelpreises Johan Galtung wird gerade ein auf friedensp\u00e4dagogischen Prinzipien aufsetzendes Friedensspiel entwickelt &#8211; wobei die Beteiligung von Friedensinitiativen aus der Region S\u00fcdkaukasus von Bedeutung ist.<\/p>\n<p>Hinter diesem spielp\u00e4dagogischen Friedensbildungsansatz steht die von Johan Huizinga in seinem 1936 herausgegebenen, hochaktuellen Klassiker \u201eHomo Ludens\u201c aufgezeigte\u00a0 kulturgeschichtliche Tatsache: durch 6000 Jahre Menschheitsgeschichte war es offenbar das Spiel, das die Transformation, die \u00dcberg\u00e4nge in neue Formen des Zusammenlebens, unter ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen,\u00a0 \u00fcbend und gemeinsam spielend, zumindest erleichtert hat. An diese so starke\u00a0 und unkonventionelle Tradition des Aufbaus von Friedenskapazit\u00e4ten und Friedensmentalit\u00e4ten versucht das Projekt: \u201ePeace in Caucasus\u201c anzukn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>_____________________________________________<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Mehr dazu: <a target=\"_blank\" href=\"mailto:Otto.ulrich@web.de\">Otto.ulrich@web.de<\/a> &#8211; siehe auch: <a href=\"http:\/\/www.cooling-down.com\/\" >www.cooling-down.com<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinter diesem spielp\u00e4dagogischen Friedensbildungsansatz steht die von Johan Huizinga in seinem 1936 herausgegebenen, hochaktuellen Klassiker \u201eHomo Ludens\u201c aufgezeigte  kulturgeschichtliche Tatsache: durch 6000 Jahre Menschheitsgeschichte war es offenbar das Spiel, das die Transformation, die \u00dcberg\u00e4nge in neue Formen des Zusammenlebens, unter ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen,  \u00fcbend und gemeinsam spielend, zumindest erleichtert hat. 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