{"id":52060,"date":"2015-01-05T12:00:43","date_gmt":"2015-01-05T12:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/?p=52060"},"modified":"2015-05-05T21:27:06","modified_gmt":"2015-05-05T20:27:06","slug":"deutsch-stellungnahme-des-friedenspolitischen-sprechers-des-komitees-fur-grundrechte-und-demokratie-zur-situation-der-deutschen-friedensbewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/2015\/01\/deutsch-stellungnahme-des-friedenspolitischen-sprechers-des-komitees-fur-grundrechte-und-demokratie-zur-situation-der-deutschen-friedensbewegung\/","title":{"rendered":"(Deutsch) Stellungnahme des friedenspolitischen Sprechers des Komitees f\u00fcr Grundrechte und Demokratie zur Situation der deutschen Friedensbewegung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong>4 Jan 2015<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Zum Jahreswechsel werden viele Fragen zur Situation und Zukunft der deutschen Friedensbewegung gestellt. Hier der Versuch zu antworten.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die unabh\u00e4ngige deutsche Friedensbewegung blickt auf eine \u00fcber 50 j\u00e4hrige erfolgreiche Arbeit mit vielen Aufs und Abs zur\u00fcck. Gro\u00dfe Mobilisierungen, wie sie keine Partei erreichen konnte, mit Hundertausenden von Menschen in den 60er Jahren, bei der akuten Bedrohung durch die Stationierung von Mittelstreckenwaffen in den 80ern und bei den bundesweiten Protesten gegen deutsche Beteiligung an US-Interventionskriegen zu Beginn dieses Jahrhunderts. Dazwischen hat sie kontinuierlich und erfolgreich mit gro\u00dfer Expertise Aufkl\u00e4rung \u00fcber die milit\u00e4rische Entwicklung und die dadurch bewirkten Gef\u00e4hrdungen der Bev\u00f6lkerung und die M\u00f6glichkeiten einer friedlichen Politik betrieben. Heute hat die Bundesregierung keine Mehrheit in der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr Interventionskriege \u2013 siehe Afghanistan!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die Forderung nach einer gro\u00dfen Mobilisierung der Bev\u00f6lkerung.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Soziale Bewegungen k\u00f6nnen nicht nach Belieben die Menschen massenhaft mobilisieren. Das gelingt nur in besonderen Situationen starker Motivation. Das gilt auch f\u00fcr den aktuellen Ukraine-Konflikt, der intensiv diskutiert wird. Obwohl der Ukraine-Konflikt mit der erneuten Eskalation des West-Ost-Abschreckungssystems \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrlich ist, bildet er doch nicht einen Fokus der Mobilisierung. Viel zu viele andere Konflikte greifen in einander. Was in Nah- und Mittelost geschieht ist immer auch ein integrierter Bestandteil der gesamten Konfliktsituation auf den verschiedenen Feldern der Auseinandersetzungen<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Neue Friedensbewegung \u2013 vom Winde verweht?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein aktuelles Problem hatten wir mit der sogenannten \u201aneuen Friedenbewegung\u2019. Populisten haben sich den historischen Begriff der Montagsmahnwachen geklaut und damit Aufsehen erregt. Etwas Neues im Sinne von Friedensarbeit ist allerdings von ihnen nicht ausgegangen. Soweit ich sehe zerbr\u00f6selt diese Montagsgeschichte schon wieder. Einige ihrer Protagonisten wenden sich anscheinend bereits dem neuen Mobilisierungsfeld PEGIDA zu. Meine herbe Einsch\u00e4tzung: Es gibt keine neue Friedensbewegung. Diese Montagsaktion war jedoch eine Steilvorlage f\u00fcr alle diejenigen Medien, die schon immer die deutsche Friedensbewegung zugunsten einer milit\u00e4rgest\u00fctzten Politik bek\u00e4mpft haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Der gro\u00dfe globale Wandel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was unterscheidet die weltpolitische Situation Anfang 2015 von der fr\u00fcherer Jahre? Von welchen Themen ist die Friedensbewegung heute gefordert? Wir erleben in diesen Jahren den Untergang der unipolaren Machtstellung der USA und die Entstehung einer multipolaren Welt. Der ber\u00fchmte Friedensforscher Johan Galtung z\u00e4hlt aktuell 15 Konflikte . An 13 von ihnen sind die USA beteiligt. Die gro\u00dfen Fragen: Werden die USA weiter versuchen, die gro\u00dfen globalen Umw\u00e4lzungen milit\u00e4risch zu stoppen? Was bedeutet dies f\u00fcr EU-Europa, das mit riesigen inneren Probleme zu k\u00e4mpfen hat? Wo zeichnen sich Kr\u00e4fte ab, die bereit seien k\u00f6nnten, zivile Konfliktbearbeitung auf ihre Fahnen zu schreiben? Wie sind sie zu unterst\u00fctzen? Darauf zu antworten, erfordert viel neues Nachdenken \u00fcber friedenspolitische Strategien. Da ist viel nachzuholen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die Binnenaufgaben der Friedensbewegung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bei Veranstaltungen der Friedensbewegung trifft man h\u00e4ufig die bekannten Gesichter. Wird die Friedensbewegung irgendwann aussterben oder hat sie Chancen, neue Mitstreiter zu gewinnen? Zun\u00e4chst ist zu erinnern, wie vieler Erfahrung es bedarf, an den Koordinierungs- und Repr\u00e4sentationsstellen der Friedensbewegung zu arbeiten. Da springt man als Newcomer nicht einfach mit nur gutem Willen hinein. Generationswechsel erleben wir gegenw\u00e4rtig durchaus in h\u00f6heren Alterklassen. Lokale Gruppen und solche, die an spezifischen Themen arbeiten, sind die Schulen der Friedensarbeit f\u00fcr j\u00fcngere Menschen. Deshalb bef\u00fcrworte ich sehr, sich verst\u00e4rkt um eine Aktivierung dieser Gruppierungen zu bem\u00fchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Sich auf neue Kommunikationsformen einstellen!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Selbstverst\u00e4ndlich haben sich die Formen in denen sich Friedensbewegung \u00e4u\u00dfert und kommuniziert mit der Entstehung der Computerwelt stark ver\u00e4ndert. Das wichtigste erscheint mir trotzdem, Menschen in Kommunikations- und wo m\u00f6glich in Arbeitszusammenh\u00e4nge einzubeziehen. Diese d\u00fcrfen sie nicht \u00fcberfordern. Man muss auch auf Schwellen\u00e4ngste R\u00fccksicht nehmen. Nicht sinnvoll ist es, sie mit Materialien zu \u00fcberschwemmen. Wie weit Diskussionen im Internet hilfreich sein k\u00f6nnen, in denen der Einzelne seine Meinungen ausdr\u00fccken und erproben kann, ist f\u00fcr mich schwer zu beurteilen. Sicher w\u00e4re es vorteilhaft, hierzu Arbeitsgruppen mit j\u00fcngeren Personen zu bilden. Sie k\u00f6nnten sich vornehmen, die bestehenden Kommunikations- und Publikationsweisen der einzelnen Friedensorganisationen zu untersuchen und Vorschl\u00e4ge zur Verbesserung zu erarbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Immer wieder lese ich, der Pazifismus sei am Ende. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Er k\u00f6nne nicht den Krieg in Irak und Syrien beenden. Das ist eine so groteske, unintelligente Aussage, f\u00fcr die sich die Bef\u00fcrworter milit\u00e4rgest\u00fctzter Politik sch\u00e4men sollten. Es ist ja nie pazifistische Politik von den Herrschenden betrieben worden. Wie sollte sie dann versagt haben! Die Kriegs- und Gewaltpolitik und die ideologischen Verhetzungen haben die Gewalt, die wir heute an so vielen Stellen der Welt erleben, bewirkt. Die Versager sind die Gewaltpolitiker, die die menschliche Gef\u00e4hrdung bis zur Vernichtungsgefahr gro\u00dfer Teile der Menschheit vorangetrieben haben und noch weiter voran treiben. Pazifistische Arbeit zur Minderung von Gewalt und F\u00f6rderung ziviler Konfliktbearbeitung und Kooperation d\u00fcrfte eine Daueraufgabe in dieser gewalttr\u00e4chtigen Welt sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">__________________________<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Dr. Andreas<\/em><em> Buro ist Mitglied des TRANSCEND-Netzwerk f\u00fcr Frieden, Entwicklung und Umwelt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Jahreswechsel werden viele Fragen zur Situation und Zukunft der deutschen Friedensbewegung gestellt. 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