{"id":53173,"date":"2015-02-02T12:00:23","date_gmt":"2015-02-02T12:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/?p=53173"},"modified":"2015-05-05T21:26:09","modified_gmt":"2015-05-05T20:26:09","slug":"deutsch-warum-der-beschluss-zur-lieferung-deutscher-kriegswaffen-in-den-irak-fundamental-falsch-ist-und-was-stattdessen-getan-werden-muss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/2015\/02\/deutsch-warum-der-beschluss-zur-lieferung-deutscher-kriegswaffen-in-den-irak-fundamental-falsch-ist-und-was-stattdessen-getan-werden-muss\/","title":{"rendered":"(Deutsch) Warum der Beschluss zur Lieferung deutscher Kriegswaffen in den Irak fundamental falsch ist und was stattdessen getan werden muss"},"content":{"rendered":"<p><em>Keine Kriegswaffen in den Irak liefern \u2013 sofort humanit\u00e4r helfen, politisch umsteuern<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDer Beschluss, ein Kontingent Waffen zu liefern,<br \/>\nf\u00e4llt offenbar leichter als der Beschluss,<br \/>\nein Kontingent Fl\u00fcchtlinge aufzunehmen.\u201c<\/em><br \/>\n&#8212; Heribert Prantl in seinem Artikel \u201eFalsch, falscher, am falschesten\u201c in der <em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em> vom 21.08.2014<\/p>\n<p>Der Beschluss der Bundesregierung vom 20. August 2014 und die Stellungnahme von Bundeskanzlerin Angela Merkel vom 24. August 2014, kurdische K\u00e4mpfer im Norden des Iraks mit deutschen Kriegswaffen hochzur\u00fcsten, setzt die Jahrzehnte w\u00e4hrende Tradition deutscher Kriegswaffenlieferungen in Krisen- und Kriegsgebiete ungehemmt fort. Neu ist, dass ein nichtstaatlicher Akteur in einem Krieg beliefert wird.<\/p>\n<p>Einmal mehr exportiert Deutschland Kriegswaffen und R\u00fcstungsg\u00fcter in das Pulverfass Nahost, eine Region, in der es an vielem mangelt, am allerwenigsten aber an Waffen. Die Behauptung Menschenrechte im Irak und der Region des Mittleren Osten sch\u00fctzen zu wollen, ist angesichts der langj\u00e4hrigen Waffenlieferungen an menschenrechtsverletzende Staaten \u2013 auch in dieser Region \u2013 heuchlerisch und verlogen. Waffenexporte dagegen wirken mittel- und langfristig destabilisierend, sie sind somit \u00e4u\u00dferst verantwortungslos und im Endeffekt kontraproduktiv.<\/p>\n<p>Deutschland muss endlich auf allen Ebenen Verantwortung als Weltfriedensmacht definieren. Diese Zielvorgabe schlie\u00dft Waffenlieferungen definitiv aus und verlangt stattdessen politische Einflussnahme auf die befreundeten Staaten T\u00fcrkei, Saudi-Arabien und Katar, die die Terroreinheiten der IS ausr\u00fcsten bzw. finanzieren. Und sie verlangt von Deutschland eine Vervielfachung humanit\u00e4rer Leistungen und der Fl\u00fcchtlingsaufnahme. Genozide m\u00fcssen aktiv verhindert werden \u2013 genau deshalb bedarf es der Schaffung von Fluchtwegen und der aktiven Fluchthilfe, verbunden mit massiver humanit\u00e4rer Unterst\u00fctzung. Gegen Waffenlieferungen in den Irak sind folgende Argumente geltend zu machen:<\/p>\n<p><strong>Zentrale Argumente gegen erneute Waffenlieferungen in das Pulverfass Nahost<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Das internationale Waffenembargo gegen den Irak wird durch Waffenlieferungen unterwandert und ein katastrophaler Pr\u00e4zedenzfall geschaffen. Das Bundesamt f\u00fcr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) verweist darauf: <em>\u201eNach \u00a769e Abs. 1 AWV, der den Gemeinsamen Standpunkt 2003\/495\/GASP in nationales Recht umsetzt, sind Verkauf und Ausfuhr von R\u00fcstungsg\u00fctern und sonstigem Wehrmaterial, die von Teil I Abschnitt A der Ausfuhrliste erfasst sind, in den Irak verboten. Ausnahmen betreffen Lieferungen f\u00fcr die im Land stationierten multinationalen Streitkr\u00e4fte.\u201c<\/em> (Siehe <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.ausfuhrkontrolle.info\/ausfuhrkontrolle\/de\/embargos\/irak\/\" >ausfuhrkontrolle.info\/ausfuhrkontrolle\/de\/embargos\/irak\/<\/a> ). Geplante Waffenlieferungen an nationale irakische Streitkr\u00e4fte sind rechtlich h\u00f6chst fraglich, sie versto\u00dfen allemal gegen den Geist des UN-Waffenembargos. Die Bundesregierung unterwandert diese rechtlichen Vorgaben, indem sie beispielsweise gebrauchte Waffen aus Bundeswehrbest\u00e4nden liefert. Ungeachtet der rechtlichen Fragw\u00fcrdigkeit ist die Unterwanderung eines Waffenembargos jedoch zutiefst verwerflich und bietet anderen Staaten bei zuk\u00fcnftigen Waffenexporten ein schlechtes Vorbild. Waffenlieferungen an die Peschmerga als nichtstaatliche Empf\u00e4nger deutscher Kriegswaffen stellen einen Pr\u00e4zedenzfall dar, der als T\u00fcr\u00f6ffner f\u00fcr kommende Waffentransfers dienen wird.<\/li>\n<li>Laut den Politischen Grunds\u00e4tzen der Bundesregierung zum R\u00fcstungsexport, dem Au\u00dfenwirtschafts- und dem Kriegswaffenkontrollgesetz darf Deutschland <em>\u201ebei bewaffneten internen Auseinandersetzungen\u201c<\/em> keine Kriegswaffen und R\u00fcstungsg\u00fcter liefern. Gem\u00e4\u00df den Politischen Grunds\u00e4tzen der Bundesregierung f\u00fcr den Export von Kriegswaffen und sonstigen R\u00fcstungsg\u00fctern vom 19.01.2000 gilt: <em>\u201eDer Beachtung der Menschenrechte im Bestimmungs- und Endverbleibsland wird bei den Entscheidungen \u00fcber Exporte von Kriegswaffen und sonstigen R\u00fcstungsg\u00fctern besonderes Gewicht beigemessen.\u201c<\/em> Zudem gilt: <em>\u201eGenehmigungen f\u00fcr Exporte nach KWKG und\/oder AWG kommen nicht in Betracht, wenn die innere Lage des betreffenden Landes dem entgegensteht, z.B. bei bewaffneten internen Auseinandersetzungen [\u2026]. F\u00fcr diese Frage spielt die Menschenrechtssituation im Empf\u00e4ngerland eine wichtige Rolle.\u201c<\/em> Politische Grunds\u00e4tze sind politische Vorgaben, sie sind juristisch nicht einklagbar: Aber: Mit der Lieferung von Kriegswaffen an einen Empf\u00e4nger, der in bewaffneten Auseinandersetzungen steht und Menschenrechte verletzt, bricht die Bundesregierung \u2013 einmal mehr \u2013 ihre selbst gesetzten Vorgaben politischen Handels. Sie macht sich somit erneut unglaubw\u00fcrdig.<\/li>\n<li>Waffenlieferungen an die Peschmerga verschaffen \u2013 wom\u00f6glich \u2013 ein milit\u00e4risches Patt, langfristig aber k\u00f6nnen sie in einen Krieg um einen Kurdenstaat f\u00fchren. In den kommenden Wochen wird die Peschmerga mit US-amerikanischen, franz\u00f6sischen, britischen, italienischen und nun auch deutschen Waffen hochger\u00fcstet. Sobald die Milit\u00e4rs im Nordirak am Einsatz dieser Kriegswaffen geschult sind, k\u00f6nnen diese gegen die IS eingesetzt und deren Vormarsch wom\u00f6glich gestoppt werden \u2013 Garantien daf\u00fcr gibt es nicht. Durchaus realistisch aber ist, dass die nunmehr mit modernen Waffen hochger\u00fcsteten Kurden im Nordirak ihr Ziel weiterverfolgen, einen eigenen Staat zu gr\u00fcnden. Dies wird das Nachbarland T\u00fcrkei erkl\u00e4rterma\u00dfen nicht hinnehmen. Der kommende Konflikt \u2013 wom\u00f6glich Krieg \u2013 ist vorprogrammiert, einmal mehr mit dem Einsatz deutscher Waffen beiderseits der Front. Verantwortungsloser kann deutsche Regierungspolitik nicht sein.<\/li>\n<li>Die Behauptung, Menschenrechte im Mittleren Osten wahren zu wollen, ist heuchlerisch und verlogen \u2013 vielmehr geht es um westliche Interessen, allen voran der Zugang zu irakischem \u00d6l. Saudi-Arabien, bekannterma\u00dfen neben Katar der f\u00fchrende Mitfinanzier der IS-Terrormilizen, ist seit Jahren eines der Hauptempf\u00e4ngerl\u00e4nder deutscher Kriegswaffen. Die saudi-arabischen Milit\u00e4rs sind mit deutschen Gro\u00dfwaffensystemen (Eurofighter Typhoon), Kleinwaffen (MP5-Maschinenpistolen und G3- sowie G36-Gewehren in deutscher Lizenzfertigung) und R\u00fcstungsg\u00fctern (Milit\u00e4rfahrzeuge, Grenzsicherungsanlagen und \u00dcberwachungssysteme) bis an die Z\u00e4hne hochger\u00fcstet. Diese Waffentransfers genehmigten CDU\/CSU, SPD, FDP und Gr\u00fcne in Regierungsverantwortung, obwohl das diktatorische Herrscherhaus in Riad Menschenrechte massiv verletzt und religi\u00f6se Minderheiten \u2013 unter ihnen Christen \u2013 verfolgt, foltert und exekutiert. Die Todesstrafe wird vielfach an Andersdenkenden und Andersgl\u00e4ubigen vollzogen (Platz 4 im weltweiten Hinrichtungsranking). Was z\u00e4hlt sind prim\u00e4r Wirtschaftsinteressen Deutschlands, allen voran der Zugang zu den riesigen \u00d6lfeldern in Saudi-Arabien und zuk\u00fcnftig wom\u00f6glich wieder im Irak.<\/li>\n<li>Jahrzehnte w\u00e4hrendes Morden mit deutschen Kriegswaffen im Nahen und Mittleren Osten \u2013 beispielsweise mit G36-Sturmgewehren von Heckler &amp; Koch \u2013 ist vorprogrammiert. Exportierte Kriegswaffen sind Jahrzehnte lang brauchbar f\u00fcr den Kampfeinsatz. Mit G3-Schnellfeuergewehren, entwickelt von Heckler &amp; Koch (H&amp;K), beispielsweise wird auch vier Jahrzehnte nach deren Lieferung noch gek\u00e4mpft. Dies belegen Vor-Ort-Recherchen in Somalia. Wenn Deutschland neue G36-Sturmgewehre von H&amp;K an die irakischen Streitkr\u00e4fte und\/oder an die kurdischen Peschmerga liefert, k\u00f6nnen diese auch im Jahr 2054 im milit\u00e4rischen Einsatz noch voll funktionsf\u00e4hig sein. Mit ihnen werden \u2013 von einer Bundesregierung g\u00e4nzlich unkontrollierbar \u2013 massenhaft Menschen get\u00f6tet werden. Zum Beispiel im n\u00e4chsten Krieg zwischen dem Irak und dem Iran, um nur eine M\u00f6glichkeit von vielen im Krisen- und Kriegsgebiet Naher und Mittlerer Osten zu nennen.<\/li>\n<li>Mit Waffenlieferungen wird ins \u00d6l ins Feuer der kriegerischen Auseinandersetzungen im Irak gegossen. Weitere Waffenlieferungen an die irakische Regierung (in der j\u00fcngsten Vergangenheit dominiert von schiitischen Regierungsvertretern) garantieren die Eskalation milit\u00e4rischer Konfliktaustragung mittels des Einsatzes eben dieser Waffen. Die neu gelieferten Kriegswaffen k\u00f6nnen eingesetzt werden bei religi\u00f6s und politisch motivierten Auseinandersetzungen von Schiiten gegen Sunniten, von Sunniten gegen Kurden usw. Wer Waffen in das Pulverfass Irak liefert, gie\u00dft langfristig \u00d6l ins Feuer dieser kriegerischen Auseinandersetzungen.<\/li>\n<li>Der Endverbleib der Waffen kann nicht im Mindesten garantiert werden \u2013 im Gegenteil: Waffen wandern von \u00bbGut\u00ab zu \u00bbB\u00f6se\u00ab zu \u00bbGut\u00ab zu \u00bbB\u00f6se\u00ab \u2026 Bis vor Kurzem noch wurde die IS (vormals ISIS) vom NATO-Mitgliedsland T\u00fcrkei im Kampf gegen das Assad-Regime in Syrien unterst\u00fctzt, u.a. mit Ausr\u00fcstung und Nachschub. Finanziell unterst\u00fctzt wird IS weiterhin von Saudi-Arabien und Katar, also f\u00fchrenden Empf\u00e4ngerl\u00e4ndern legal gelieferter Kriegswaffen aus Deutschland. Seit den Exekutionen an Christen, Jesiden und Schiiten steht die IS nunmehr auch aus Sicht aller NATO-Staaten auf feindlicher Seite. W\u00e4hrend der kriegerischen Auseinandersetzungen gelangten IS-K\u00e4mpfer in den Besitz hochmoderner Waffen der irakischen Armee, geliefert aus den USA. Der Endverbleib von Kriegswaffen kann nicht im Mindesten garantiert werden. Im Moment gelten irakische Kurden als die \u00bbGuten\u00ab. Wer neue Waffen liefert, riskiert deren Verwendung in falschen H\u00e4nden, denen der \u00bbB\u00f6sen\u00ab. Doch richtige milit\u00e4rische H\u00e4nde einer \u00bbguten\u00ab Seite gibt es im Irak ehedem nicht \u2013 schon \u00fcber den Zeitraum mehrerer Jahre.<\/li>\n<li>Der Irak erstickt schon jetzt am \u00dcberfluss der Kriegswaffen. G\u00e4be es eine Weltkarte der Waffenimportdichte, w\u00e4ren der Sudan, Somalia, Afghanistan und eben der Irak blutrot eingef\u00e4rbt. Das einzige, was im Irak im \u00dcberfluss existiert, sind Kriegswaffen. Die Menschen leiden seit Jahrzehnten unter der Gewalt dieser Waffen, ganze Landstriche werden verw\u00fcstet.<\/li>\n<li>Mit dem Beschluss der Bundesregierung, kurdische K\u00e4mpfer im Nordirak mit deutschen Kriegswaffen hochzur\u00fcsten, wird Deutschland selbst zur Kriegspartei. Deutschland tr\u00e4gt aufgrund seiner langj\u00e4hrigen politischen Einflussnahme auf die Lage im Irak massiv Mitschuld an der politischen Fehlentwicklung im Land, z.B. durch die Unterst\u00fctzung des Irak-Kriegs 2003 (der US-Army und \u00bbKoalition der Willigen\u00ab mittels der Gew\u00e4hrung von \u00dcberflugrechten, dem Schutz von US-Milit\u00e4rbasen und US-Kasernen in Deutschland und AWCS-\u00dcberwachungsfl\u00fcgen) sowie die umfassenden Waffenlieferungen an die T\u00fcrkei, Saudi-Arabien und Katar \u2013 die ihrerseits die IS unterst\u00fctzen. Mit den direkten Waffenlieferungen an die k\u00e4mpfenden irakischen Kurden wird Deutschland direkt zur Kriegspartei \u2013 mit unabsehbaren Folgen f\u00fcr die Sicherheitslage in Deutschland.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fazit und Forderungen: Ja, wir k\u00f6nnen nicht wegschauen, wir m\u00fcssen handeln!<\/strong><\/p>\n<p>Umfassendes Waffenexportembargo verh\u00e4ngen \u2013 vorhandene Waffen verschrotten \u2013 umfassend humanit\u00e4r helfen -zahlreich Fl\u00fcchtlinge aus dem Irak und Syrien aufnehmen<\/p>\n<p>Schwere Menschenrechtsverletzungen, wie Folter und Vergewaltigungen, Morde und Massenexekutionen sind zurzeit auf mehr als 30 Kriegsschaupl\u00e4tzen der Welt an der Tagesordnung. Leider stellen die aus dem Irak berichteten Szenarien in diesem Sinne keine Ausnahmeerscheinung dar. Einen entscheidenden Beitrag zu derart menschenverachtenden Handlungen und zur Gewalteskalation sind Waffenlieferungen der f\u00fchrenden Industriestaaten. Terrorgruppen, wie beispielsweise die IS, besitzen in der Regel keine eigenen Waffenfabrikationsanlagen. Sie erhalten Kriegswaffen von befreundeten Staaten und Beutewaffen, z.B. US-Waffen bei der Einnahme der Stadt Mossul.<\/p>\n<p>Wer aber weitere Waffen in den Irak liefert oder Kombattanten finanziell unterst\u00fctzt, macht sich mitschuldig am Massenmorden im Irak \u2013 jetzt und in den kommenden Jahrzehnten. Wer Terrorismus auf Dauer ausbluten, menschenrechtsverletzende Regierungen zur Umkehr bewegen und Diktatoren zum Abdanken zwingen will, der muss den Repressoren die Machtinstrumente ihrer Gewaltherrschaft entziehen. Wer sich nach der jahrelangen Beihilfe zum Massenmorden durch R\u00fcstungsexporte endlich gewissenhaft und glaubw\u00fcrdig f\u00fcr Demokratie und Frieden einsetzen will, muss letztlich die Strukturen einer ungerechten Weltwirtschaftsordnung \u00e4ndern. Die Umsetzung dieser langfristigen Zielvorgabe kann nicht abgewartet werden. Die Bundesregierung muss den notleidenden Menschen im Irak kurz- und mittelfristig helfen. Sie muss\u2026<\/p>\n<ul>\n<li>im Einklang mit den Vereinten Nationen den notleidenden Menschen im Norden des Irak umfassend humanit\u00e4re Hilfe (Zelte, Nahrungsmittel und medizinische Mittel und Betreuung) zukommen lassen. Dies verlangt einen hohen finanziellen und personellen Einsatz. Im sicheren Hinterland m\u00fcssen feste Fl\u00fcchtlingscamps zur menschenw\u00fcrdigen Unterkunft und Lazarette zur notwendigen medizinischen Versorgung eingerichtet werden. Der Aufbau von Dienstleistungen muss die religi\u00f6se und kulturelle Identit\u00e4t der Fl\u00fcchtlinge ber\u00fccksichtigen; zivile Hilfsorganisationen und Gruppen der Zivilgesellschaft m\u00fcssen aktiv in die humanit\u00e4re Hilfe eingebunden sein und unterst\u00fctzt werden;<\/li>\n<li>die deutschen Grenzen schlie\u00dfen f\u00fcr Waffenexporte und sie \u00f6ffnen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge aus dem Irak und aus Syrien; diese m\u00fcssen als politisch Verfolgte in Deutschland anerkannt und ihnen dementsprechend Asyl gew\u00e4hrt werden;<\/li>\n<li>den Regierungsbildungsprozess im Irak positiv begleiten. Stabilit\u00e4t in der Region wird erst gew\u00e4hrleistet, wenn alle politischen und religi\u00f6sen Kr\u00e4fte angemessen in der irakischen Regierung vertreten sind und ihren Einfluss im Sinne des Gemeinwohls geltend machen k\u00f6nnen. Sunnitische Abgeordnete und Minister in der neuen irakischen Regierung k\u00f6nnen positiv Einfluss auf die IS aus\u00fcben;<\/li>\n<li>massiv Druck auf die aus ihrer Sicht \u00bbbefreundeten Staaten\u00ab T\u00fcrkei, Saudi-Arabien und Katar aus\u00fcben, damit diese die logistische, materielle bzw. finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr die IS sofort einstellen und stattdessen m\u00e4\u00dfigend auf die Terrormilizen einwirken;<\/li>\n<li>sich in den Vereinten Nationen f\u00fcr ein umfassendes Embargo atomarer, biologischer, chemischer und konventioneller Waffen (ABC\/K-Waffenembargo) f\u00fcr den gesamten Nahen und Mittleren Osten starkmachen. Dies w\u00fcrde all den Regierungstruppen, Milizen, Guerilla- und Terroreinheiten auf Dauer die Macht der Waffengewalt entziehen. Dringend vonn\u00f6ten sind Waffeneinsammel- und Verschrottungsaktionen \u2013 nicht aber der Export von noch mehr Kriegswaffen und R\u00fcstungsg\u00fctern ins das Pulverfass Irak.<\/li>\n<li>Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Wochenzeitschrift <em>stern<\/em> bef\u00fcrworten lediglich 30 Prozent der Befragten Waffenlieferungen an die Peschmerga, 63 Prozent lehnen diese ab (Stand 20.08.2014). Wir fordern die Bundesregierung nachdr\u00fccklich auf, dem Mehrheitswillen der bundesrepublikanischen Bev\u00f6lkerung nachzukommen und den notleidenden Menschen im Irak umfassend humanit\u00e4r zu helfen \u2013 keinesfalls aber mit der Lieferung von Kriegswaffen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>___________________________<\/p>\n<p><em>J\u00fcrgen Gr\u00e4sslin ist Sprecher der Kampagne \u00bbAktion Aufschrei \u2013 Stoppt den Waffenhandel!\u00ab , Bundessprecher der Deutschen Friedensgesellschaft \u2013 Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) und Vorsitzender des R\u00fcstungsInformationsB\u00fcros (RIB e.V.). Web: <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.juergengraesslin.com\" >www.juergengraesslin.com<\/a> <\/em><\/p>\n<p><em>This article is from the spokesperson of my organization, the\u00a0 German Peace Society-United War Opponents (DFG-VK), J\u00fcrgen Gr\u00e4sslin, demanding that no weapons are to be exported to Iraq and refugees be accepted instead. It was published by &#8220;Wissenschaft und Frieden&#8221; on 13.09.2014, but they have it as their most recent article, so I guessed it would not be to out of date since the topic is burning hot still and the article is well written. <\/em><br \/>\n&#8212; Benno Fuchs, member of the TRANSCEND Network.<\/p>\n<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/wissenschaft-und-frieden.de\/index.php?pid=1&amp;comment=0064#c0064\" >Go to Original \u2013 wissenschaft-und-frieden.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine Kriegswaffen in den Irak liefern \u2013 sofort humanit\u00e4r helfen, politisch umsteuern<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[46],"tags":[],"class_list":["post-53173","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-original-languages"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53173","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=53173"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53173\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=53173"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=53173"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=53173"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}