{"id":53568,"date":"2015-02-09T12:46:44","date_gmt":"2015-02-09T12:46:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/?p=53568"},"modified":"2015-05-05T21:26:07","modified_gmt":"2015-05-05T20:26:07","slug":"deutsch-was-den-friedfertigen-menschen-bose-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/2015\/02\/deutsch-was-den-friedfertigen-menschen-bose-macht\/","title":{"rendered":"(Deutsch) Was den friedfertigen Menschen b\u00f6se macht"},"content":{"rendered":"<p><em>Fehlt den IS-Terroristen das Gef\u00fchl der Anerkennung? Ist die L\u00f6sung der Ukraine-Krise ganz einfach? Auf der Gegenveranstaltung zur Sicherheitskonferenz werden pazifistische Ideen diskutiert. Die sind heikel. Aber sind sie deshalb falsch? <\/em><\/p>\n<p>Es ist kurz nach 19 Uhr, als Clemens Ronnefeldt ans Podium tritt. Blauer Pulli, brauner Teint, wei\u00dfes L\u00e4cheln. Er freut sich. Der Saal im Alten Rathaus ist fast voll, vor ihm sitzen etwa 300 Menschen. Viele grauhaarige Damen und Herren, wenige junge Leute. Die Friedensbewegung ist \u00e4lter geworden, aber es gibt sie noch. Und Clemens Ronnefeldt sagt ihr, was sie h\u00f6ren will. Dass es f\u00fcr eine friedliche Welt ein neues Finanz- und Wirtschaftssystem brauche. Dass &#8220;die konfliktversch\u00e4rfenden Medien gestoppt werden&#8221; m\u00fcssten. Und dass George W. Bush endlich vor Gericht geh\u00f6re &#8211; f\u00fcr die Folter in\u00a0Guantanamo.<\/p>\n<p>Seit 13 Jahren findet parallel zur <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Sicherheitskonferenz\" >Sicherheitskonferenz<\/a> die sogenannte Friedenskonferenz statt. W\u00e4hrend also im Bayerischen Hof die Politiker und Milit\u00e4rs \u00fcber eine Sicherheitspolitik beraten, die &#8220;auf Dominanz und Machterhalt&#8221; (so steht es auf der Homepage der Friedenskonferenz) ausgerichtet ist, treffen sich ein paar Stra\u00dfen weiter die Mitglieder von Friedensgruppen, um \u00fcber gewaltfreite Konfliktstrategien zu\u00a0diskutieren.<\/p>\n<p>Wobei: Es wird nicht diskutiert an diesem Freitagabend, es wird referiert. Nach der Begr\u00fc\u00dfung durch Moderator Ronnefeldt ist die erste Rednerin dran: Susanne Luithlen vom Forum Ziviler Friedensdienst. Eine Viertelstunde lang erkl\u00e4rt sie eine Studie, &#8220;die empirisch fundiert beweist, dass Gewaltfreiheit besser ist als\u00a0Gewalt.&#8221;<\/p>\n<p><strong>Scharfe Kritik an IS-Terroristen<\/strong><\/p>\n<p>Sie spricht von Variablen und reiht Prozentzahlen aneinander. Alles sehr theoretisch. In ihren Aufs\u00e4tzen klingt Luithlen konkreter. Darin kritisiert sie, dass die internationale Politik die IS-Terroristen als &#8220;bestialisch&#8221; oder &#8220;barbarisch&#8221; bezeichnet. Sie fordert, die IS-K\u00e4mpfer stattdessen als Menschen anzuerkennen, deren Gewalt vielleicht nur ein Ausdruck ihrer Sehnsucht nach Zugeh\u00f6rigkeit und Anerkennung ist. Es ist eine heikle These. Aber ist sie deshalb\u00a0falsch?<\/p>\n<p>Fest steht: Wegen solcher Thesen werden Pazifisten oft als weltfremd und naiv bel\u00e4chelt. Vielleicht haben die Organisatoren der Friedenskonferenz deshalb einen Hirnforscher als zweiten Redner des Abends eingeladen. Weil Naturwissenschaftler selten als weltfremde Naivlinge gelten und meistens als ideologisch unverd\u00e4chtige Realisten. \u00dcberraschend ist es trotzdem nicht, dass auch der Hirnforscher Gewalt f\u00fcr relativ \u00fcberfl\u00fcssig h\u00e4lt &#8211; und daf\u00fcr pl\u00e4diert, &#8220;Friedenskompetenz zu\u00a0entwickeln&#8221;.<\/p>\n<p>Joachim Bauer, der Hirnforscher, sagt \u00fcber sich, er geh\u00f6re &#8220;zu den alten Fossilien, die den Kriegsdienst vor Gericht verweigert haben&#8221;. Schon hat er das Publikum auf seiner Seite. Applaus. Bravo-Rufe. Dann zitiert er Charles Darwin und enth\u00fcllt, dass der Mensch von Natur aus &#8220;eine Riesensehnsucht nach Anerkennung und sozialer Verbundenheit&#8221;\u00a0habe.<\/p>\n<p>Die Quintessenz: Terroristen und Kriegstreiber instrumentalisieren diese Sehnsucht und bringen den von Natur aus friedfertigen Mensch dazu, &#8220;B\u00f6ses zu tun, um zugeh\u00f6rig zu sein&#8221;. Auf diese Weise, sagt Bauer, werde beim Menschen erst Kriegsbereitschaft\u00a0erzeugt.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Road Map&#8221; f\u00fcr einen Frieden zwischen Russland und der Ukraine<\/strong><\/p>\n<p>Der letzte Redner ist Karl Grobe-Hagel. Fr\u00fcher war er Journalist, jetzt schreibt er B\u00fccher \u00fcber die Kriegsf\u00fchrung der Russen und der Amerikaner. An diesem Abend hei\u00dft sein Vortrag: &#8220;Zivile Alternativen im Ukraine-Konflikt&#8221;. Grobe-Hagel hat eine &#8220;Road Map&#8221; entwickelt &#8211; einen Plan, wie Schritt f\u00fcr Schritt wieder Frieden hergestellt werden k\u00f6nne zwischen Russland und der Ukraine, aber auch zwischen Russland und den NATO-Staaten. Er vertritt die Idee, dass eine friedliche L\u00f6sung m\u00f6glich ist, wenn sich die Ukraine zur Neutralit\u00e4t zwischen Ost und West verpflichtet &#8211; und Russland und die NATO offiziell erkl\u00e4ren, diese Neutralit\u00e4t zu\u00a0respektieren.<\/p>\n<p>Um 21.45 Uhr ist die Veranstaltung offiziell vorbei. Weiter geht die Friedenskonferenz am Samstag um 19 Uhr im DGB-Haus &#8211; mit einer Podiumsdiskussion zur Frage &#8220;Schutzverantwortung &#8211; Herrschaftskonzept oder ein Weg zur Sicherung der\u00a0Menschenrechte?&#8221;.<\/p>\n<p>________________________________<\/p>\n<p><em>Submitted by TRANSCEND member Benno Fuchs.<\/em><\/p>\n<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/muenchner-friedenskonferenz-was-den-friedfertigen-menschen-boese-macht-1.2340875\" >Go to Original \u2013 sueddeutsche.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fehlt den IS-Terroristen das Gef\u00fchl der Anerkennung? 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