{"id":59334,"date":"2015-06-08T12:03:31","date_gmt":"2015-06-08T11:03:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/?p=59334"},"modified":"2015-06-08T12:04:05","modified_gmt":"2015-06-08T11:04:05","slug":"deutsch-musik-gegen-den-strom-selbstorganisierte-praxis-des-singens-und-spielens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/2015\/06\/deutsch-musik-gegen-den-strom-selbstorganisierte-praxis-des-singens-und-spielens\/","title":{"rendered":"(Deutsch) Musik gegen den Strom: Selbstorganisierte Praxis des Singens und Spielens"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8220;Wer sprechen kann, kann auch singen&#8221; lautet eine Grunderkenntnis der Natural Voice-Bewegung. Die Recherche f\u00fcr diesen Schwerpunkt hat das mit vielen Beispielen belegt. Auch, dass eine starke Kraft im gemeinsamen Singen und Musizieren steckt. Es geht dabei um Empowerment von Individuen ebenso wie von Gruppen.<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_59335\" style=\"width: 576px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Musik-gegen-den-Strom-contraste-german-deutsch-benno-fuchs.jpg\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-59335\" class=\"size-full wp-image-59335\" src=\"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Musik-gegen-den-Strom-contraste-german-deutsch-benno-fuchs.jpg\" alt=\"Foto: Kawaggawerk\" width=\"566\" height=\"425\" srcset=\"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Musik-gegen-den-Strom-contraste-german-deutsch-benno-fuchs.jpg 566w, https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Musik-gegen-den-Strom-contraste-german-deutsch-benno-fuchs-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 566px) 100vw, 566px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-59335\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Kawaggawerk<\/p><\/div>\n<p>Singen in der Nazizeit zur Manipulation der Gef\u00fchle missbraucht wurde, galt es in der Bundesrepublik Deutschland weithin als peinlich und verschwand infolgedessen weitgehend aus unserem Alltag. Dabei wurde \u00fcbersehen, dass w\u00e4hrend der NS-Herrschaft auch oppositionelles Singen eine wichtige Rolle gespielt hat. Nicht von ungef\u00e4hr waren als &#8220;kommunistisch&#8221; markierte Lieder unter den Nazis verboten. Wer sie sang, pfiff oder summte, geriet in Gefahr, denunziert zu werden. Andererseits konnten solche T\u00f6ne in den Gef\u00e4ngnissen und Konzentrationslagern als Erkennungssignale dienen. Nicht nur Diktaturen nutzen und f\u00fcrchten die Macht der Musik: In den 1970er Jahren etwa durften Anti-AKW-Lieder im \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk der BRD nicht gespielt werden.<\/p>\n<p>Dass Musik Gemeinschaften stiften und st\u00e4rken kann &#8211; zu erfreulichen oder \u00fcblen Zwecken -, ist historisch vielfach belegt. Heute wird auch in alternativen Zusammenh\u00e4ngen hierzulande wieder zunehmend musiziert und gesungen. Zwei Kommunech\u00f6re von Longo mai aus der Provence und aus Niederkaufungen in Hessen, zwei Aktions-Orchester &#8211; aus K\u00f6ln und bundesweit, ein &#8220;Offenes Singen&#8221; in M\u00f6nchengladbach sowie ein alternatives Musikfestival in K\u00f6ln werden in diesem CONTRASTE-Schwerpunkt beispielhaft vorgestellt.<\/p>\n<p>Dass Musik Menschen helfen kann, sich der eigenen M\u00f6glichkeiten zu vergewissern, dass freies Singen therapeutisch wirkt, hat sowohl die neurobiologische als auch die sozialpsychologische Wissenschaft festgestellt. So hat der Sozialwissenschaftler Karl Adamek herausgefunden: &#8220;Singen erf\u00fcllt lebenswichtige Funktionen. Ohne Singen kann der Mensch seine Potenziale als mitf\u00fchlendes, denkendes, kreatives und gl\u00fccksf\u00e4higes Wesen nicht voll entfalten. Durch Singen st\u00e4rkt der Mensch vor allem sein Mitgef\u00fchl, sein Vertrauen, seine Begeisterungsf\u00e4higkeit, seine Lebensfreude, seine Widerstandskraft und seine k\u00f6rperlichen und geistigen Handlungskr\u00e4fte.&#8221; Unter anderem werden beim Singen die Gl\u00fcckshormone Serotonin und Dopamin ausgesch\u00fcttet. Das erh\u00f6ht die Handlungsf\u00e4higkeit der Menschen und wirkt antidepressiv. Zugleich werden Aggressionshormone abgebaut.<\/p>\n<p>Dass &#8220;Musik eine kooperative Kunst&#8221; ist, haben Contraste-Leser*innen bereits im Schwerpunkt der Mai-Ausgabe 2008 erfahren. Die Kooperation selbstorganisierter Ch\u00f6re reicht \u00fcber Grenzen hinweg, wie die j\u00e4hrlichen Treffen des Natural-Voice Practicioners Network (NVPN) in Schottlandmit rund 100 Chorleiter *innen bezeugen. Auch CONTRASTE-Schwerpunkt-Autorin Andrea J\u00e4ger ist immer wieder begeistert dabei. Musik kann dar\u00fcber hinaus zur Verst\u00e4ndigung und dem Frieden zwischen den verschiedenen Kulturen beitragen.<\/p>\n<p>Was als &#8220;musikalisch&#8221; oder &#8220;unmusikalisch&#8221; gilt, unterscheidet sich nach Ort und Zeit &#8211; und Klasse. &#8220;Muss die Mehrheit &#8220;unmusikalisch&#8221; gemacht werden, damit einige wenige &#8220;musikalischer&#8221; werden k\u00f6nnen?&#8221; fragte augenzwinkernd John Blacking, britischer Sozialanthropologe und Musikethnologe.<\/p>\n<p>Also: Die Musik gegen den Strom birgt ein gro\u00dfes Potential auch im Hinblick auf gesellschaftliche Transition.<\/p>\n<p>_____________________________<\/p>\n<p><em>Submitted by TRANSCEND member Benno Fuchs.<\/em><\/p>\n<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.contraste.org\/index.php?id=6\" >Go to Original \u2013 contraste.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Wer sprechen kann, kann auch singen&#8221; lautet eine Grunderkenntnis der Natural Voice-Bewegung. Die Recherche f\u00fcr diesen Schwerpunkt hat das mit vielen Beispielen belegt. Auch, dass eine starke Kraft im gemeinsamen Singen und Musizieren steckt. Es geht dabei um Empowerment von Individuen ebenso wie von Gruppen.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[46],"tags":[],"class_list":["post-59334","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-original-languages"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59334","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=59334"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59334\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=59334"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=59334"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=59334"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}