{"id":61136,"date":"2015-07-20T12:00:52","date_gmt":"2015-07-20T11:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/?p=61136"},"modified":"2015-07-17T15:36:11","modified_gmt":"2015-07-17T14:36:11","slug":"deutsch-wahrheit-ist-nicht-verhandelbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/2015\/07\/deutsch-wahrheit-ist-nicht-verhandelbar\/","title":{"rendered":"(Deutsch) Wahrheit ist nicht verhandelbar!"},"content":{"rendered":"<p><em>Die \u00bbStiftung Nydia \u00c9rika Bautista\u00ab k\u00e4mpft in Kolumbien f\u00fcr Aufkl\u00e4rung und gegen das \u00bbVerschwindenlassen\u00ab. Etwa 200 F\u00e4lle werden von den Juristen der Stiftung vertreten, die zu den bekanntesten des Landes geh\u00f6rt.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Nydia-\u00c9rika-Bautista-foundation-colombia.jpeg\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-61137\" src=\"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Nydia-\u00c9rika-Bautista-foundation-colombia.jpeg\" alt=\"Nydia \u00c9rika Bautista foundation colombia\" width=\"490\" height=\"327\" srcset=\"https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Nydia-\u00c9rika-Bautista-foundation-colombia.jpeg 490w, https:\/\/www.transcend.org\/tms\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Nydia-\u00c9rika-Bautista-foundation-colombia-300x200.jpeg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 490px) 100vw, 490px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Revoltosas steht auf dem Schild \u00fcber dem kleinen Laden, der in Bogot\u00e1s Stadtteil La Soledad gerade die T\u00fcren ge\u00f6ffnet hat. Unruhestifterinnen hei\u00dft das und darunter steht \u00bbH\u00e4nde, die schaffen und k\u00e4mpfen\u00ab. Hergestellt wird in und f\u00fcr den kleinen Laden vor allem Handarbeit &#8211; kleine bestickte Taschen, Ohrringe, Schmuck, aber auch selbst gen\u00e4hte Kleidung. \u00bbEs sind Angeh\u00f6rige von unfreiwillig Verschwundenen, die n\u00e4hen, entwerfen, basteln und f\u00fcr uns ist der Laden eine zus\u00e4tzliche Einnahmequelle\u00ab, erkl\u00e4rt Yaneth Bautista l\u00e4chelnd. Sie ist die Vorsitzende und Gr\u00fcnderin der Fundaci\u00f3n Nydia \u00c9rika Bautista. Die Stiftung gilt als die aktivste von rund zwei Dutzend Organisationen, die sich gegen das gewaltsame Verschwindenlassen von Menschen in Kolumbien engagieren und f\u00fcr Aufkl\u00e4rung und Bestrafung der T\u00e4ter eintreten.<\/p>\n<p>Erst vor ein paar Monaten ist die Stiftung an die neue Adresse in der Carrera 20 in Bogot\u00e1 gezogen. \u00bbAn unserem alten Standort waren wir nicht mehr sicher und auch unser privates Haus, wo meine Tochter aufgewachsen ist, mussten wir aufgeben. Es gen\u00fcgte den Sicherheitsstandards nicht\u00ab, erkl\u00e4rt die Menschenrechtsaktivistin. Sie lebt ein Leben unter Beobachtung und permanenter Anfeindung. Mehrere Jahre hat sie im Exil in Deutschland gelebt, dort f\u00fcr die Menschenrechtsorganisation Amnesty International gearbeitet und sich f\u00fcr die Rechte der Angeh\u00f6rigen von gewaltsam Verschwundenen engagiert &#8211; in Kolumbien, aber auch in Mexiko oder Guatemala eine weitverbreitete Praxis.<\/p>\n<p>Die Vorsitzende Bautista ist gut vernetzt, sie h\u00e4lt den Kontakt zu Menschenrechtsaktivisten in Argentinien, Brasilien, Mexiko oder Guatemala und deren Erfahrungen flie\u00dfen in ihre Arbeit ein. So geht beispielsweise der Vorschlag innerhalb der Wahrheitskommission, eine Subkommission f\u00fcr die unz\u00e4hligen gewaltsam Verschwundenen zu bilden, auf Anregungen aus dem Ausland zur\u00fcck. Doch bevor die Wahrheitskommission t\u00e4tig werden kann, m\u00fcssen erst die Friedensverhandlungen zwischen der FARC-Guerilla und der kolumbianischen Regierung zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden. Konkrete Vorschl\u00e4ge, die in Kolumbien l\u00e4ngst nicht \u00fcberall gern geh\u00f6rt werden. Das belegen f\u00fcnf Pamphlete von paramilit\u00e4rischen Organisationen, die seit September letzten Jahres auftauchten und auf denen der Name von Yaneth Bautista aufgef\u00fchrt ist.<\/p>\n<p>Es sind nicht nur die Nachfolgeorganisationen der Paramilit\u00e4rs, die gegen die Aufarbeitung der Vergangenheit mit massiven Morddrohungen mobilmachen: So hat ein Polizeikommando j\u00fcngst versucht das zweist\u00f6ckige Wohnhaus zu durchsuchen, in dem die Stiftung untergebracht ist. F\u00fcr die arbeiten ausschlie\u00dflich Angeh\u00f6rige. \u00bbSie sind es, die in Kolumbien de facto die Arbeit der Ermittlungsbeh\u00f6rden machen. Sie klopfen an T\u00fcren, machen Zeugen ausfindig, suchen nach geheimen Gr\u00e4bern. Sie widmen ihr Leben dem Kampf gegen die Straflosigkeit\u00ab, erkl\u00e4rt Andrea Torres Bautista. Sie ist die Anw\u00e4ltin der Stiftung, Tochter von Yaneth Bautista und hat ihr juristisches Staatsexamen gemacht, um gegen die omnipr\u00e4sente Straflosigkeit vorzugehen. Das ist alles andere als einfach und oft auch riskant.<\/p>\n<p>Im Falle von Nydia \u00c9rika Bautista, einer Aktivistin der Guerillaorganisation M-19, die in Bogot\u00e1 Sozialprojekte im bettelarmen S\u00fcden der Stadt mit aufbaute, waren es Soldaten der 20. Brigade, die sie verschleppten. Das belegen Aussagen des ehemaligen Mitarbeiters des milit\u00e4rischen Geheimdienstes Bernardo Garz\u00f3n. Der war nicht nur in das gewaltsame Verschwindenlassen von Nydia \u00c9rika Bautista, sondern auch in das von mindestens einem weiteren Dutzend Menschen, oft Aktivisten linker Organisationen, involviert. Darunter auch der Verlobte von Yaneth Bautista, Crist\u00f3bal Triana. Er wurde zwei Tage vor Nydia \u00c9rika Bautista verschleppt und sein mutma\u00dflicher Tod k\u00f6nnte auch auf das Konto der Milit\u00e4rs gehen. Aufschluss soll die Vernehmung von Bernardo Garz\u00f3n bringen, der im Januar festgenommen wurde und dessen Aussage nach langen Jahren des Stillstands wieder Bewegung in die Ermittlungen bringen k\u00f6nnte. Das ist nicht im Interesse der Verantwortlichen, zu denen laut den jahrelangen Recherchen der Stiftung General \u00c1lvaro Hern\u00e1n Veland\u00eda Hurtado geh\u00f6rt. Er stand deswegen schon einmal vor Gericht, aber kam wegen Formfehler wieder frei.<\/p>\n<p>Milit\u00e4rs und milit\u00e4rischer Geheimdienst k\u00f6nnten auch hinter den j\u00fcngsten Drohanrufen stecken, die im April und Mai bei der Stiftung eingingen. Die hat immer wieder Mitarbeiter im Ausland in Sicherheit bringen m\u00fcssen &#8211; zuletzt Erik Arellana Bautista. Er war f\u00fcr die filmische Dokumentation der Aussagen der Opfer verantwortlich und ist der Sohn von Nydia \u00c9rika Bautista. Im Fr\u00fchjahr 2013 musste er nach Hamburg fliehen. Bewaffnete waren in seine Wohnung eingedrungen und hatten Computer und s\u00e4mtliches Archivmaterial gestohlen. Ein harter Schlag f\u00fcr die Stiftung, die nur wenige Stra\u00dfen entfernt ist und vor allem eins will: Klarheit, weshalb man ihre Angeh\u00f6rigen gewaltsam hat verschwinden lassen. Diese Kernforderung der Opfer ist nicht verhandelbar. Dass die T\u00e4ter nicht in jedem Fall eine gerechte Strafe erhalten werden, dass wissen Andrea Torres, ihre Mutter Yaneth Bautista und ihre Mitstreiter ganz genau.<\/p>\n<p><em>F\u00f6rderhinweis: Unser Autor bereiste Kolumbien mit Unterst\u00fctzung von Brot f\u00fcr die Welt &#8211; Evangelischer Entwicklungsdienst.<\/em><\/p>\n<p><em>______________________________<\/em><\/p>\n<p><em>Submitted by <\/em>TRANSCEND<em> member Benno Fuchs.<\/em><\/p>\n<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/m\/artikel\/977808.wahrheit-ist-nicht-verhandelbar.html\" >Go to Original \u2013 neues-deutschland.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00bbStiftung Nydia \u00c9rika Bautista\u00ab k\u00e4mpft in Kolumbien f\u00fcr Aufkl\u00e4rung und gegen das \u00bbVerschwindenlassen\u00ab. 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